SEHNSUCHT

Manchmal wünsche ich mir mein altes Leben zurück.

Das,

in dem ich mich anpasse.

Das,

in dem ich nicht weiß,

wer ich bin.

Das,

in dem ich von allen übergangen werde

und nie wirklich gelebt habe.


Und vor allem wünsche ich mir das Leben zurück,

in dem ich Alkohol getrunken habe.


Becher hoch,

Kopf in den Nacken

und los gehts.


Ich fühle mich heute wie jemand,

der allen etwas vormacht.


Wie jemand, der angeben will.

Wie jemand, der beweisen will,

dass er jetzt ein deutlich besseres 

und angenehmeres Leben führt,

als du es tust.

Wie jemand,

der dir erklärt,

wie du dein Leben

zu leben hast.


Und wie jemand,

der tut,

als hätte er sein

gesamtes Leben

im Griff.


Doch das stimmt nicht.


Ich bin die,

die dich anschaut

und sich innerlich

wünscht,

du zu sein.


Deine Sommersprossen?

Deine Haare?
Deine Freunde?

Dein Nervensystem?
Dein gesamtes Leben?


Ich hätte es gerne.

Habe ganz,

ganz dolle

Sehnsucht

danach.


Nicht aus Neid.

Nicht, weil ich dir etwas wegnehmen will,

sondern vielmehr,

weil ich du sein will.


Weil ich nie wusste,

wie ich ich sein kann

und wie du es schaffst,

du zu sein.


Weil mich das alles verwirrt.


Nicht immer.

Doch oft.


Oft genug,

um heute sagen zu können,

dass ich durchschaut habe,

wer Mitleid mit mir hat und wer bleibt,

wenn ich 

mal wieder

für Monate

verschwinde.


Verschwinde,

um herauszufinden,

wer ich bin.

Verschwinde,

um mich zu schützen.


Verschwinde,

weil ich wieder zu dolle Sehnsucht

auf ein Leben habe,

das niemals meins war.

Zurück
Zurück

ALLE ZWEI WOCHEN

Weiter
Weiter

DER KRIEG